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Magazin für Filmkritik

Blaupause eines Meisterwerks – „L.A. Takedown“ von Michael Mann

Alex McArthur als Profi-Räuber Patrick McLaren

Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, wie im Grunde alle entscheidenden Schlüsselszenen aus Heat bereits in dieser fürs Fernsehen produzierten Urversion enthalten sind, ohne je die Größe und Präzision des 95er-Remakes zu erreichen. Beinahe jede dieser Szenen sollte Mann nur sechs Jahre später (!) besser in Szene setzen und für jede noch so kleine Rolle nicht nur eine höherklassige, sondern auch eine passendere Besetzung finden. Das soll L.A. Takedown nicht schlechtreden, das ist ein solider Fernsehthriller, der manchmal, aber eher selten die kinetische Energie von Manns Kinowerk erreicht – irgendwo zwischen Miami Vice-Swag und dem ästhetischen Heat-Vorläufer Thief. Die Essenz seines späteren Meisterwerks ist bereits enthalten, aber es mangelt an der nötigen Zeit zur Entfaltung und an vielen Stellen an Timing; auch an den Idiosynkrasien eines Al Pacino und dessen explosiver Extravaganz. Dem Film mangelt es auch an der ästhetischen Klarheit von Manns Kinoarbeiten, was sicherlich dem Umstand geschuldet ist, dass dieser eigentlich den Auftakt zu einer nie verwirklichten NBC-Serie bilden sollte. Hier bleibt vieles unterentwickelt, zentrale Figuren unausgegoren. Insbesondere Scott Plank als Vincent Hanna mangelt es am Esprit eines Pacino, zumal seine Figur hier noch als ultra-agiler, Motorhauben-rutschender, Wild-West-schießender Serienheld angelegt ist.

Heat entwickelte aus der Parallelität seiner gleichberechtigt auftretenden Hauptdarsteller auf zwei Seiten des Gesetzes eine fatalistische Sogwirkung, einen epischen Dualismus zwischen zwei Typen, die sich bekämpfen, obwohl sie sich brauchen, in L.A. Takedown hingegen bleibt das zentrale Duell zu kraftlos und unfokussiert, manchmal kann man die beiden Figuren nicht einmal äußerlich voneinander unterscheiden. Andere Szenen funktionieren allerdings auch in dieser niedrig-budgetierten Fernsehvariante wunderbar: die erste Begegnung zwischen Superdieb Patrick (Alex McArthur) und Eady (Laura Harrington) am Tresen eines Diners beispielsweise; erst ist sie interessiert, beginn ein Gespräch, wird dann von ihm zurückgewiesen, dann fühlt er sich schlecht, zeigt seinerseits Interesse – eine vorsichtige Annäherung entspinnt sich. Die Szene zeigt die lebendige Interaktion zwischen einem unverbindlichen Einzelgänger und einer Einsamen, die im Gegensatz zu all den selbstzerstörerischen Workaholics dieses Filmes unumwunden zugeben kann, dass sie einsam ist, während Patrick kleinlaut zu Protokoll gibt: „Im alone, it doesn’t bother me.“

Es ist eine Schlüsselszene für diese Geschichte, die tiefen Einblick gewährt in die fragile Psyche seiner Protagonisten, in deren Selbstzerstörung man sich dennoch wiedererkennen kann und die man sich liebend gerne anschaut. Das ist ein Männerfilm, ja, weil Männer wohl tendenziell eher auf Räuberpistolen abfahren, auf eiskalte Profis, die schweres Gerät für einen gefährlichen Job einzusetzen wissen, aber es es ist auch ein Männerfilm, der sich mit den Eheszenen zwischen Vincent und Lilian (Ely Pouget) und der ersten Begegnung zwischen Patrick und Eady selbst als solcher perspektiviert und reflektiert. Mann ist nicht blind für den Machismus dieser Welt, die Codes und die Bilder von Männlichkeit in seinem Sujet. Aber er bewertet sie nicht; und vielleicht noch wichtiger: er ist ehrlich interessiert an den Schicksalen dieser Eisklötze und der unerbittlichen Zerstörungsspirale, die sie in Gang setzen; unfähig, sich selbst zu entkommen. Manns Filmographie ist auch eine Landschaft der Einsamkeit, bevölkert von Männern, die hilflos dabei zusehen müssen, wie ihre Beziehungen in die Brüche gehen, weil ihnen ihre Obsessionen in die Quere kommen – und weil die existenzielle Heimatlosigkeit sich nur obsessiv kompensieren lässt, aber nie tilgen.

„Didn’t know where to run.“


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