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Magazin für Filmkritik

Die 10 besten Anti-Angst-Filme

Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Angst ist ein komplexes Gefühl. Ein für die Erwachsenen zumeist unsichtbares. Nur ungern fühlen wir sie wirklich. Früh schon lernen wir, dass die Gründe für unsere Angstgefühle meistens auf Fehlschlüssen beruhen. So kann man die Angst als unwirklich und wenig nützlich enttarnen. Es ist doch sehr unwahrscheinlich, im Grunde unmöglich, dass unter dem Bett ein Monster haust. Wir können prüfen und nachsehen oder jemanden rufen, der uns beruhigt.

Irgendwann ist die Angst, glücklicherweise, nicht mehr allgegenwärtig, sondern tritt nur noch hin und wieder in den Vordergrund. Die Moderne hat mit der Domestikation des Wilden und der Beherrschung der Naturkräfte, der Entzauberung des Fantastischen, auch die Angst weitestgehend beiseitegeschoben. Es bleibt fraglich, ob sie dadurch wirklich gezähmt und verbannt oder nur zu unterirdischeren Pfaden hin verschoben wurde. Angst bewegt Massen, schürt Aggression und verleitet zu irrationalen Gedankengängen und Handlungen. Sie ist vielleicht gerade deswegen gefährlich, weil sie nur ungerne gefühlt, dagegen umso öfter – durch allzu schnelle beruhigende Gesten enttarnt – verdrängt wird.

Ablenkung ist eine bewährte Strategie gegen Angst. Somit ist jeder fesselnde Film auch ein Anti-Angst-Film. Aber ein umso wirkungsvolleres Beruhigungsmittel sind solche Filme, die die kindliche Gefühlswelt adressieren und zugleich eine Entwarnung aussenden: Es gibt sie, die Angst, aber fürchte dich nicht, denn am Ende entpuppt sich das Böse als weniger erschreckend, als gedacht. Entdecke deinen Mut! – Darauf läuft wohl jeder Anti-Angst-Film hinaus: das Abenteuer mutig anzunehmen, um zuletzt das Grauenerregende zu enttarnen. Oder mit den Worten Rilkes, des „Dichters der Angst“:

„Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.“

Rainer Maria Rilke

Platz 10: Das große Krabbeln

Welche Chance hat schon ein Ameisenvölkchen gegen die übergroße Heuschreckenarmee? Lieber geduckt gehen und auf den ausgetretenen Pfaden bleiben? Bis dann einer kommt, ein Erfinder und Tollpatsch, der gar nicht anders kann als andere Wege zu gehen. Dafür braucht es Mut. Anders geht es nicht. Und natürlich ist die Größe nicht von Anfang an einfach so da. Man wächst an seinen Aufgaben. Der Außenseiter und die Zirkusdarsteller eilen zur Rettung heran: Fake it till you make it! Und am Ende entdeckt man auf diesem Weg den Mut, der in einem schlummert, während das Erschreckende der Heuschrecken zusammengeschrumpft am Horizont verschwindet.

Platz 9: Big Fish

Vom Regisseur des Fantastischen schlechthin: Tim Burton. Eine Prise Größenwahn kann nicht schaden. Flunkern, übertreiben, die Geschehnisse zu einer glitzernden Erzählung umwandeln statt ihre dunklen Seiten aufzublähen. Jemand anderes sein, ein König, ein Liebhaber, ein Abenteurer.

„Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.“

Friedrich Nietzsche

Platz 8: Das wandelnde Schloss

Was ist sowohl Motor als auch Heilmittel der Angst? Es ist die Fantasie! Es ist auch die Fantasie, die aus einem Angsthasen einen Abenteurer macht, aus einer Hauskatze einen Löwen und vor allem aus dem Schrecklichen das Lächerliche.

Platz 7: Die Monster AG

Eine naheliegende Wahl. Die Monster sind eigentlich knuffig. Aus dem kindlichen Schreien wird ein kindliches Lachen. Das ja ohnehin viel mehr Lebenskraft in sich hat.

Platz 6: Jumanji

Ganz dicht am Alltäglichen schlummert es. Nicht weit entfernt vom Offensichtlichen liegt es, darauf wartend, an die Oberfläche gebracht zu werden. Und wie immer ist die Fantasie genauso nah am Grauenvollen wie am Wunderbaren. Man muss sich nur trauen, die Würfel zu werfen und zu sehen, was passiert.

Platz 5: Toy Story

Die Toy-Story-Reihe! Keine spezifischen Anti-Angst-Filme, dafür aber beruhigend in jeglicher Hinsicht. Denn die Fantasie belebt das Leblose. Durch sie wird aus Plastik eine Welt voller Wunder. Das Kinderherz beseelt die Figuren. Es gibt wohl keine wirkungsstärkere Kampfansage gegen das Grauen des Angsteinflößenden als das unbeschwerte Spielen, das Sich-Verlieren in einer fantastischen Geschichte und die vorgestellten Bindungen, die man dabei eingehen darf.

Platz 4: Scooby-Doo

Am Ende ist das Ängstigende eine Kulisse. Es ist erklärbar. Wie im Grusel-Freizeitpark ist in Scooby-Doo alles Furchteinflößende letztlich doch gar nicht so schlimm. Und auf der Wegstrecke, um das herauszufinden, passiert allerlei Ulkiges. Ein geradezu perfekter Anti-Angst-Film. Er leugnet das Gefühl nicht, überspielt es nicht, sondern lässt ein leises „Buh!“ ertönen, um ihm zugleich seinen Schrecken zu nehmen.

Platz 3: Ruf der Wildnis

Eine Anrufung der wilden Urkräfte in uns. Jeder hat seinen Platz irgendwo. Und in allem Domestizierten schlägt irgendwo noch ein wildes Herz, das mutig den Widrigkeiten trotzt. Man muss nur genau hinhören, um ihn zu vernehmen, den Ruf …

Platz 2: Nachts im Museum

Nachts, wenn es dunkel wird, ist die Angst oft der unliebsame Gast. In der Nacht, wenn die Müdigkeit einkehrt, treten fantastische Wesen auf den Plan, mal dunkel und mal hell. Was wäre, wenn diese Gestalten wirklich werden würden? Anfassbar? Wie mit ihnen umgehen? Für mich gibt es kaum etwas Beruhigenderes als einen verdutzt dreinschauenden Ben Stiller, der mit belebten Museumsgestalten fertig zu werden versucht.

Platz 1: Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Der Harry-Potter-Teil, in dem es keinen Endkampf mit Voldemort gibt. Der Gegner ist die Angst selbst. Die Dementoren verkörpern die Angst, gegen die es sich zu wehren gilt. Oder man entlarvt das Angsteinflößende als lächerlich: Riddikulus gegen die Irrwichte. Und manchmal stellt sich das, wovor man sich fürchtet (Sirius Black), sogar als gut heraus. Angst hat viele Facetten. Güte, langsame Übung, Fürsorge und Freundschaft können ihr die Stirn bieten.


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