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Magazin für Filmkritik

Ewiger Jason – Über „Jason Takes Manhattan“ und die „Friday the 13th“-Reihe

Jason Takes Manhattan

Leider löst der achte Teil der Friday the 13th-Reihe das Versprechen des Titels, Jason auf das Großstadtmoloch des 80er-Jahre New Yorks loszulassen, erst zu seiner spaßigen zweiten Hälfte ein. Davor muss die Kreatur aus der schwarzen Lagune über einen Ozeandampfer Richtung Freiheitsstatue watscheln wie ein Rentner mit Hinlauftendenz. Jasons zweites Opfer, ein Mädel, das gerade am Bumsen war (darum muss es sterben), ersticht dieser klamaukig und unter den schrillen Schreien seines Opfers mit einer Zahnstocher-großen Harpune, woraufhin sich ihr Hemd mit ein paar Milliliter Kunstblut vollsaugt. Man merkt früh: nach Teil 3 bis 6 ist man zurück in FSK-16-Gefilden.

Während sich das Mädel auf dem Schiff vor dem watschelnden Jason versteckt, zieht diese Grimassen als würde ihr a) ein unseriöser Furz quer liegen oder als müsse sie b) gleich schallend zu Lachen anfangen. Ich möchte diesen Moment deshalb für die schlechteste Schauspielleistung dieser Reihe nominieren – und das will einiges heißen bei einem Franchise, in dem es auch noch eine Szene mit einem dicken, geistig umnachteten Man-Child mit Schokoladen-verschmiertem Mund gibt, das einem Holzfäller mit Aggressionsproblemen solange auf die Nerven geht, bis dieser sich zu einer Beil-schwingenden Jack Torrance-Imitation hinreißen lässt (Teil 4). Aber zurück zum Mädel auf dem Boot mit dem Zahnstocher: es gibt Jungschauspieler, die das „ich bin zu gut für diesen Scheiß“ permanent auf dem Gesicht tragen. Ein verständliches Sentiment, hört man einmal in die Dialoge dieser Reihe rein (wie muss es sich erst anfühlen, sie auch noch glaubwürdig aufsagen zu müssen), aber hier liegt die Ironie: wer selbst bei diesem Trash nicht alles gibt, kommt auch nie darüber hinaus.

Irgendwann stolpert (klettert) Jason schließlich auf den Dampfer, erschlägt ein Tina-Turner-Cosplay mit ihrer eigenen Gitarre und einen Saunisten mit einem kochenden Stein (nicht ansatzweise so spaßig wie es sich anhört). Dazwischen gibt es jede Menge Leerlauf und Figuren, die einen nicht interessieren. Und einen Jason, der manchmal selbst wie ein verwirrter Passagier über das Deck taumelt. Highlight dieses achten Teils, der auch das Ende der Paramount-Distribution markierte (neben einer ziemlich beeindruckenden Überblende von einem Boot in einer brennenden Benzinpfütze zum selben Boot auf einem See): ein Faustkampf zwischen Jason und einem Boxer auf einem New Yorker Häuserdach, ohne Musik, nur mit dem schwerer gehenden Atem des Boxers und seinen schwächer werdenden Schlägen, die ungerührt von der Horrorikone abprallen.

Das fasst Jason perfekt zusammen: eine wortlose, unkaputtbare Naturgewalt, an der sich der Mensch hilflos abarbeitet, die er aber nie kontrollieren kann; die unideologisch über alles hinweg geht, das am Leben ist; die keinen Unterschied macht zwischen den Reagan-Ära-kodierten Punks (vornehmlich Schwarze und Latinos in Lederjacken), asozialen Rednecks, notgeilen Teens und hilflosen Kindern; ein Mann, der einfach unbeirrt und stoisch seinen Weg geht – Marc Aurel wäre stolz. Insofern ist die Existenz dieses Jason fast schon tröstend, denn er ist wie der Tod selbst, dem früher oder später jeder begegnen muss. Jason ist auch kein Sadist, er geht meistens auf den effektiven Kill, zielt selten auf das Leid seiner Opfer. Dem Boxer haut er zum Beispiel mit einem Faustschlag glatt die Rübe ab, ehe diese ein Dach hinunterpurzelt und in einem Müllcontainer landet.

Ich muss gestehen: Der viel gescholtene Jason Takes Manhattan hat mich ein kleines bisschen mit dieser Reihe versöhnt. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie diese Tötungsmaschine auf desillusionierte New Yorker Kellnerinnen und Jugendgangs mit Ghettoblastern trifft und sich am Ende, auf wundersame Weise – durch die magische Kombination von Blitzeinschlag und chemisch verseuchter Kanalisationsbrühe nämlich – wieder in sein Kindheits-Ich zurückverwandelt. Ein Sprung zurück in die Zeit vor dem Trauma und das Happy End für einen Serienmörder. Der letzte, bedrohliche POV dieses vermeintlich finalen Jason-Abenteuers gehört dann einem süßen Hundie mit Bandana. Schön.

Zahmes Gemetzel

Doch für eine Reihe, die sich Gewalt und Titten auf die Fahnen geschrieben hat (und nicht viel darüber hinaus zu bieten hat), bleibt Jasons Manhattan-Ausflug so wie die meisten Teile überraschend zahm und schafft es auf die unvergleichlich-amerikanisch-prüde Art, Sex auf der einen Seite andauernd zu thematisieren und sich auf der anderen Seite extrem verklemmt in seiner Darstellung zu geben. Gleiches gilt für die Gewaltdarstellungen, die ohne Tom Savini hinter den Masken- und Gore-Effekten (Teil 1 und 4) zumeist betreten ins Off geschnitten werden (oder, wie in Teil 7, der Zensur zum Opfer fielen). Wie oft Jason unmotiviert seine Machete in irgendwelche Teenie-Bäuche stößt, grenzt schon an Arbeitsverweigerung. Gleiches gilt für die Figuren, die natürlich nur stereotype Opfer sind, Anschauungssubjekte für Jasons Zerstörungswut, die sich aber selten die Sympathie des Zuschauers erspielen und meistens halbherzige Karikaturen bleiben, mit denen wir den Großteil der Laufzeit in irgendwelche Hütten eingesperrt sind bis uns Jason erlöst.

Insgesamt ist es ein zähes Unterfangen, diese berühmte, eher berüchtigte Reihe nachzuholen, die mit ihrem zweiten Teil bereits einen der wenigen Höhepunkte markiert. In dieser direkten Fortsetzung des ersten Teils, die das Finale des Vorgängers in bester Friday-Tradition einfach nochmal in allen Details zeigt (man muss schließlich irgendwie auf 90 Minuten kommen), metzelt sich Jason noch ohne Hockey-Maske, dafür mit Kartoffelsack mit Guckloch durch ein Ferienlager voller Counselors in Ausbildung. Hier wird dem hirnlosen Muttersöhnchen mit Ginny Field (Amy Steel) auch das einzige Mal ein interessantes, eigenwilliges und cooles Final Girl gegenübergestellt, deren finale Jason-Konfrontation mit eleganten Tracking Shots und verhältnismäßig klugen Entscheidungen glänzt – hier sieht man Jason sogar entgegen seines später üblichen stoischen Gangs rennen und ungeschickt auf die Schnauze fliegen, weswegen bei mir manchmal dezente Ghost-Face-Assoziationen aufkamen. Das ist noch nicht der untote Hühne von Teil 3 bzw. 4, den wohl die meisten Friday-Fans in ihr Herz geschlossen haben. Genauso wie Ginny sich noch nicht passgenau in das Good-Girl-Stereotyp der folgenden, schnarchlangweiligen Protagonistinnen einfügte, die von den Schreibern zwar jede Menge Traumata aufgebürdet bekommen haben, aber leider überhaupt keinen Charakter.

I was naturally suspicious of cocky guys at that age, and you see a lot of that when I’m on screen with Paul (John Furey). I tried to put so much behind the actual words in the script just so she felt almost unreachable, to Paul and to audiences. I wanted her to have some power. – Amy Steel (Dread Central, 2010)

Ich mag Jason am Ende wohl mehr als die Reihe, die ihn erschaffen hat. Denn was die Friday-Filme vor allem bieten ist jede Menge Leerlauf und Behauptung; Laufzeit, die mit unsympathischen, schlecht gespielten Nullfiguren gestreckt wird, nur um sich dann in viel zu vielen einfallslosen PG-13-Kills aus der Affäre zu ziehen. Wenige Ausnahmen bilden der bildstarke zweite Teil (Regie: Debütant Steve Miner, Schnitt: Cunninghams Ehefrau Susan) und der visuelle Einfallsreichtum von Jason Lives. Man sollte sich auch ehrlich machen über das, was diese Filme sind: leicht verdientes Geld, im Koksrausch zusammengeklöppelte Fließbandprodukte (fast jedes Jahr ein neuer Teil), ungeschickte Franchise-Universen-Politik der Prä-Marvel-Ära. Die Friday-Serie ist auch ein Stück Popkultur, das mit gutem Recht später zuhauf parodiert und dekonstruiert werden sollte und dessen Formelhaftigkeit schon mit dem dritten Teil gehörig Staub angesetzt hatte.


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