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Magazin für Filmkritik

Kein guter Film, aber immerhin – „Elektra“ von Rob Bowman

Jennifer Garner als Elektra

Es ist schon bedauerlich, dass selbst ein Film wie Elektra einem eindringlich vorführt, wie sich das US-Mainstream-Kino und insbesondere der Superheldenfilm unter Marvel und Co. degeneriert hat. Nicht falsch verstehen: Elektra ist kein sonderlich guter Film – uncool, erwartbar, ein bisschen Twilight – aber immerhin haben wir es hier mit einem Film zu tun. Da würde mir wahrscheinlich selbst der alte Marty zustimmen als er Marvels Milliardenhits zu Jahrmarktattraktionen degradierte. Hier wurde noch an echten Schauplätzen gedreht, ohne krasse Weichzeichner, ohne die omnipräsente grüne Wand; hier wird sich noch viel Zeit für Figuren und ihre Geschichte genommen (keine sonderlich interessanten Figuren mit keiner sonderlich interessanten Geschichte, aber der Einsatz zählt); es gibt sogar klare visuelle Leitmotive.

Elektra (Jennifer Garner) verfolgt beispielsweise das Trauma von der Ermordung ihrer Mutter, deren Leiche sie als Kind unter einem Bettlaken verhüllt entdeckt hat. Zum Finale des Filmes kämpft sie gegen den Mörder ihrer Mutter (Will Yun Lee), der sie mit fliegenden Bettlaken nun zu täuschen versucht; sie wird schließlich zu Boden gebracht und wie ihre Mutter unter einem Laken verhüllt, ehe sie dieses triumphierend von sich abwirft und den Kampf wieder aufnimmt. – Das Trauma als verhüllendes, erstickendes Laken, das man von sich abwirft: nicht subtil, aber immerhin passiert hier etwas. Man spürt das Bemühen, die Geschichte einer Figur ästhetisch zu übersetzen, also: filmisch zu erzählen.

In einer anderen Szene kämpft Elektra zu Übungszwecken gegen ihren aufmüpfigen, jugendlichen Sidekick Abby (Kirsten Prout). Diese hat den halben Film über ne ziemliche Attitüde und glaubt, Elektra herausfordern zu können. Als die beiden schließlich miteinander kämpfen, hat Abby keine Chance und verliert. Doch statt eines coolen Spruchs, der die Überlegenheit Elektras betonen könnte, endet die Szene damit, dass Abby zu weinen anfängt. Die pseudoselbstbewusste Fassade des Teenagers bricht weg und es kommt wieder das verängstigte, überforderte Kind zum Vorschein. Und Elektra wechselt die Rolle von der toughen Auftragsmörderin zur Ersatzmutter. Auch hier: das ist nicht preisverdächtig gespielt oder gefilmt, aber es ist zumindest etwas.

Mehr als ich in jeder der unzähligen Jahrmarktattraktionen je zu sehen bekomme, in denen es mindestens um das Schicksal eines Landes gehen muss, aber meistens um das der ganzen Erde oder gleich des uns bekannten Universums; in denen vorgerechnete Actionsequenzen vor den ersten Drehbuchentwürfen stehen; in denen jeder Anflug von Tiefe ironisch vereitelt werden muss. Ich ziehe Filme wie Elektra jederzeit dem entgrenzten Franchisekino und astronomisch budgetierten Netflix-Blockbustern aus den Computerhöllen der Gegenwart vor (man überlebt es ehrlicherweise auch, wenn man keines von beiden gesehen hat). So hat mir die morbide Neugierde auf dieses viel gescholtene Jennifer Garner-Vehikel zumindest diese kleine Erkenntnis gebracht – und als zweiten Abspann-Song Photograph von 12 Stones! Ich dachte, meine Spotify-Nostalgie-Playlist wäre aus Versehen angesprungen …


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