Schwebezustand – „The Invitation“ von Karyn Kusama

Der perfekte Film, um ihn an einem Filmabend zu präsentieren. Ich habe es zweimal erprobt. Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, anderen dabei zuzusehen, wie sie für gut eine Stunde darüber rätseln, ob und wie The Invitation zur Eskalation kommt, nur um dann durch gelungene Finten wieder ins Zweifeln gebracht zu werden. Und wenn es dann zur offenen Eskalation kommt, ist diese so schnell vorüber, dass es nach der Auflösung auch nicht öde wird. Regisseurin Karyn Kusama hat diesen Film wirklich jederzeit fest im Griff, streut genügend inszenatorische Brotkrumen, um eine Spur aufnehmen zu können, lässt sich aber dennoch nie ganz in die Karten schauen. Unterstützt wird dieser Schwebezustand durch einen tollen Logan Marshall-Green als vor Trauer versteinerter Vater, der das Haus seiner Exfrau nach gemeinsamen, schmerzlichen Erinnerungen durchstreift.
Wir sind mit der Hauptfigur isoliert; wiederholt blenden die Gespräche der anderen Dinner-Gäste aus und werden durch Fragmente von Erinnerung ersetzt. Das bindet uns nicht nur an die durch Trauer verzerrte Perspektive des Protagonisten, sondern erlaubt Kusama auch, das Kammerspiel immer wieder aufzubrechen und rein visuell zu erzählen. Lediglich mit dem dissonanten Gefiedel auf der Tonspur übertreibt man es hier und da und nimmt zugleich die ätzenden Trends moderner Horrorfilmmusik vorweg. Wie bei jedem großen Lebensthema (hier: Tod und Trauer), das innerhalb der Begrenzungen eines Spielfilms verhandelt werden soll und zugleich den dramaturgischen Gesetzmäßigkeiten seines Genres unterworfen ist, kann auch bei The Invitation nur an der Oberfläche geschürft werden. Parallelen zu echten Religionen, aus deren Glaubenssätzen man teilweise ähnliche Schlüsse ziehen könnte wie Eden (Tammy Blanchard) und ihr Mann David (Michiel Huisman) (siehe: Eschatologie), werden erst gar nicht gezogen, um (möglicherweise) einem größeren Teil des Publikums nicht auf die Füße zu treten. Das ist verständlich, verhindert aber auch, dass The Invitation wirklich dahin geht, wo es wehtut.
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